Tiefenblick - Das stille Unglück des Denkenden

Kann Usain Bolt schneller schwimmen als Michael Phelps?

Veröffentlicht in Doping, Peking 2008, Sportjournalismus by tiefenblick am August 17th, 2008

Da hatte man sich doch tatsächlich ein paar Tage einreden dürfen, dass die Rekorde im Schwimmsport allein den neuen Wunderanzügen zuzuschreiben seien. Und dann kommt Usain Bolt und wischt alle Bedenken hinweg. Selten konnte man so sicher sein, dass unlautere Mittel im Spiel sind. Konnte man früher noch rätseln, ob eine Leistung nicht auch auf natürlichem Wege möglich wäre, so wird sich dies nach einer Woche Olympia niemand mehr trauen.

Schön ist aber, dass das ZDF-Sportstudio in bekannt investigativer Vorgehensweise das Dopingproblem mit dem Dopingsünder Carl Lewis erörtert. Das ist übrigens der Sportler, der die Goldmedaille 1988 in Seoul nach der Disqualifikation von Ben Johnson erhielt. Blöderweise stellte sich heraus, dass Lewis schon vor den Spielen gedopt war und eigentlich eine Sperre hätte erhalten müssen. Aber dies kam so spät heraus, dass kaum noch jemand davon Notiz nahm (sie dazu hier und hier). Die beiden knallharten Journalisten Johannes B. Kerner (JBK) und Kathrin Müller-Hohenstein (KMH) ließen es sich dann auch nicht nehmen, mit dem alten Carl über die veränderte Doping-Mentalität zu sprechen und butterweiche Bekundungen auszutauschen. Bevor der gute Carl dann ganz verschwand, fragte KMH noch mal schnell, ob er denn Michael Phelps kenne. Er sei ein netter Kerl, meinte der alte Doper und damit war auch dann alles Wichtige geklärt. Noch ein bisschen gemeinsam in die Kamera gelächelt (da sind KMH und JBK ohnehin unschlagbar) und schon konnte das nächste Thema kommen. Zum Glück war dies der dopingfreie Sport Fußball und so durften KMH und JBK mit ihrem alten Kumpel Jürgen (Klopp) noch ein Interview antäuschen. So stellt man sich doch einen heimeligen Sport-Abend vor.

Doping oder Anzug, Journalismus oder Geplauder?

Veröffentlicht in Doping, Peking 2008, Sportjournalismus by tiefenblick am August 14th, 2008

Die ersten Tage der olympischen Spiele sind vorbei, aber eine echte Olympia-Stimmung kommt nicht auf. Es fällt schwer, sich über die täglichen neuen Weltrekorde im Schwimmen zu freuen. Nicht einmal den früher doping-resistenten Kommentatoren gelingt dies. Der interessanteste Fakt bei dieser Geschichte ist jedoch, dass die Rekordflut vielleicht doch mehr mit dem neuen Speedo-Anzug zu tun hat als mit einem neuen medizinischen Wundermittel. Dass in einer Sportart wie Schwimmen Doping immer ein Thema war, lässt sich kaum bestreiten. Ein ähnliches Phänomen gab es vor einigen Jahren in der Leichtathletik, als die Langstreckenrekorde reihenweise pulverisiert wurden. Blöderweise konnte da niemand einen neuen, windschnittigen Anzug präsentieren.

Auch im Sport sollte die Unschuldsvermutung gelten, aber man muss sich trotzdem nicht für dumm verkaufen lassen. Wenn der Sieger über 100 Meter Freistil, Alain Bernard, wie ZDF-Kommentator Thomas Wark behauptet, 19 Kilogramm Muskelmasse in wenigen Jahren zunimmt, dann weiß jeder, dass illegale Substanzen im Spiel waren. Die viel spannendere Frage ist aber, warum ein Dopingsystem so ein schwarzes Schaf nicht aussortiert. In meiner grenzenlosen Naivität stelle ich mir vor, dass der Verband diese Entwicklung des Athleten frühzeitig bemerkt und ihn zur Rede stellt, dass die Anti-Doping-Agentur Überstunden macht, um Bernard jeden dritten Tag zu testen und dass die Kollegen sich weigern, mit einem mutmaßlichen Betrüger ins Becken zu steigen. Dass dies alles nicht passiert, erinnert fatal an den Radsport. Wenn alle dopen, traut sich keiner mehr, einen anderen an den Pranger zu stellen.

Wenig hilfreich ist es aber, bei jedem Rennen Zweifel anzumelden. Warum ist niemand darauf gekommen, die Wirkung des neuen Speedo-Anzuges z.B. im Rahmen eines Testes mit Junioren- oder Amateurschwimmern zu messen? Bislang fehlen nämlich gesicherte Erkenntnisse darüber, wie viel die Wunderwaffe wirklich bringt. Wenn man Michael Phelps in seiner langen Badehose sieht, dann darf man zumindest aber zweifeln, ob die Wirkung so phänomenal ist. Ansonsten würde er doch kaum auf die obere Hälfte verzichten, oder? Mit einem vielleicht nicht wissenschaftlichem, aber dennoch hilfreichen Versuch im Vorfeld der Spiele, könnte man nun Fakten vortragen und aufzeigen, dass der Anzug dramatische Verbesserungen der Bestzeiten ermöglicht oder eben das Gegenteil. Mit diesem Wissen würden geäußerte Zweifel deutlich glaubwürdiger klingen und könnten über ein „mulmiges Gefühl“ hinausgehen.

Aber wo sollen Sportjournalisten eine investigative Herangehensweise an eine derart heikle Thematik auch lernen? Wenn Ralf Scholt am Beckenrand in Peking mit „Franziska“ über „Helge“, „Annika“ und „Antje“ spricht, dann darf man auch im Umgang mit anderen Athleten keine journalistische Distanz erwarten. Wie ein Fähnchen im Wind haben sich die Fernsehkommentatoren gedreht nach den Doping-Skandalen rund um die Tour die France. Dass dabei mehr als Lippenbekenntnisse herausgekommen sind, bleibt die Branche allerdings schuldig. Wann hat eigentlich zuletzt ein Sportjournalist einen Dopingskandal aufgedeckt? Sachdienliche Kommentare sind jederzeit erwünscht.

 

Winnetou und die olympischen Spiele

Veröffentlicht in Peking 2008, Politik by tiefenblick am August 9th, 2008

Die olympischen Spiele in Peking haben begonnen. Das große Palaver im Vorfeld hat dies nicht geändert und ob dies gut ist oder nicht, soll die Geschichte zeigen. Aber viel interessanter ist doch, wie viel Heuchelei rund um die Sommerspiele zu bewundern ist.

 

Der allseits unbeliebte George Bush mahnt die Einhaltung der Freiheits- und Menschenrechte in China an, verdrängt dabei aber guten Gewissens, dass sich seine Regierung regelmäßig einen Dreck um solch abstrakte Konzepte schert. Als kleines Bonmot sei angemerkt, dass der Länderbericht (Stand 31.12.2007) von Amnesty International über China kürzer ist als der über die USA. Das sagt natürlich noch nichts über die „Qualität“ aus.

 

Doch was nützt die Freiheit in einem Land wie Deutschland, wenn völlig unkritisch und ohne Hintergrundwissen Tibet als Traumland und der Dalai Lama als Held verehrt wird? Es geht gar nicht darum, wer in dieser Frage Recht hat. Es geht darum, dass sich die wenigsten dafür überhaupt interessieren, was denn nun die Wahrheit ist. Jedenfalls fiel es den Deutschen sehr viel leichter zuzuschauen, als Russland in Tschetschenien aufräumte und der Busenfreund des Ex-Kanzlers sich erneut als „lupenreiner Demokrat“ erwies. Ist ja auch schwer, sich für eine islamische Teilrepublik einzusetzen, die keinen ewig lächelnden Mönch an der Spitze hat. Von anderen Krisenregionen in der Welt wie dem Sudan ganz abgesehen.

 

Die Deutschen stehen nun mal auf harmlose Völker, die nach Möglichkeit unterdrückt werden, sich dagegen aber nicht zu heftig wehren und möglichst auch noch putzig aussehen. Und deshalb stehen Indianer und Aborigines prinzipiell hoch im Kurs. Selbstverständlich gehört es auch zum Charme beliebter unterjochter Völker, dass sie weit genug weg sind, um der eigenen Befindlichkeit nicht zu nahe zu kommen. Der Dalai Lama, der in Deutschland auf eine große Gruppe williger Möchtegern-Buddhisten trifft, muss also gar nicht viel tun. Soviel Begeisterung als Anführer einer Minderheit hat zuletzt der Apachen-Häuptling Winnetou ausgelöst.

 

Aber wer mag es den von Katholizismus und Protestantismus gegängelten Deutschen übel nehmen, dass sie sich von einem buddhistischen Religionsführer angesprochen fühlen? Wer Jahrhunderte lang Päpste und zwischendurch Martin Luther ertragen musste, dem kann man kaum übel nehmen, dass er einen buddhistischen Mönch für einen Vorboten des Paradieses hält.  

 

Carlos Sastre - Ein sauberer Tour-Sieger?

Veröffentlicht in Doping, Tour de France by tiefenblick am Juli 27th, 2008

Carlos Sastre hat es doch tatsächlich geschafft, seinem Toursieg mit einem mehr als faden Beigeschmack zu versehen. Anstatt die Klappe zu halten und sich zu freuen, dass, obwohl er bei CSC fährt und auch in der Hochzeit des EPO-Dopings zum Peloton gehörte, er bislang keinen persönlichen Anschuldigungen ausgesetzt war, plapperte er nach seinem Toursieg über seinen ehemaligen Teamchef Manolo Saiz und dankte ihm für alles, was dieser ihm beigebracht habe. Manolo Saiz war der Leiter des Teams ONCE, in dem es nach Aussage von Jörg Jaksche systematisches Doping gab und ist tief im Fuentes-Skandal verstrickt. (Mehr dazu hier)

 

Der Radsport wird sich seines Dopingproblems nicht entledigen können. Es ist auch fast unvorstellbar, dass dies möglich wäre, denn es ist über viele Jahrzehnte eine Doping-Kultur entstanden, die nicht mit ein paar noch so ernsten Tests ausgemerzt werden kann. Im Peloton herrscht nach wie vor eine Schweigementalität und wenn man sieht, dass ein umfassend geständiger Dopingsünder wie Jörg Jaksche keine Chance mehr hat, einen Platz bei einem Top-Team zu bekommen, dann spricht dies Bände. Warum fährt Jaksche eigentlich nicht bei Gerolsteiner? An solchen Fragen lässt sich leicht zeigen, dass auch so propere Teamchefs wie Hans-Michael Holczer durchaus seltsame Entscheidungen treffen. Lieber lässt er einen Stefan Schumacher, der schon durch erhöhte Hämatokritwerte im Jahr 2007 auffällig geworden ist, in seinem Team mitmischen.

 

Wenn man davon ausgeht, dass Doping im Radsport einen Leistungsvorteil von 5-10 % (konservativ geschätzt) garantiert, dann ist es abenteuerlich zu glauben, dass ein Teil der Spitzenfahrer dopt und die anderen Naturtalente sind. Viel wahrscheinlicher ist, dass man ohne Doping überhaupt nicht im Profi-Peloton bestehen konnte. Ob sich dies geändert hat, lässt sich freilich bezweifeln. Wenn man die Aussagen von Jörg Jaksche zugrunde legt, dann ist es durchaus denkbar, dass viele (alle?) sauberen Sportler, den Sprung in den Profi-Radsport nicht schaffen. Deswegen ist es auch eine bodenlose Frechheit von einem Jan Ullrich zu behaupten, dass er nie jemanden betrogen habe. Vielleicht hat er insofern Recht, dass er im Peloton keine sauberen Gegner hatte. Aber was ist mit all den jungen Sportlern, die sich aus moralischen oder gesundheitlichen Gründen gegen illegale Methoden entschieden haben? Was ist mit den Kindern und Jugendlichen, die sich für Radsport begeistern und von ihren Idolen betrogen werden? Alleine schon deswegen sollte man die Doping-Mafia mit allen Mitteln bekämpfen.

 

Aber wie könnte man den Doping-Sumpf austrocknen? Ideal wäre, wenn man alle, die mit Doping zu tun haben oder hatten aus dem Radsport entfernen und einen kompletten Neuanfang machen würde. Warum hat man keine Amnestie für geständige Sünder angeboten, die über Kollegen und Hintermänner auspacken? Wer zuerst spricht, bekommt eine kleine Strafe, die Schweiger bekommen lebenslange Sperren. Rechtlich wäre dies sicher nicht möglich, zumal es nur in wenigen Ländern überhaupt Gesetze gegen Doping gibt. Aber auf diese Weise könnte man Leute wie Bjarne Riis, Jan Ullrich, Floyd Landis und viele mehr loswerden, dazu sämtliche Doping-Ärzte und andere Profiteure. Warum nicht am Ende mit ganz neuen U23-Teams anfangen? Oder ein paar Jahre die großen Rundfahrten nicht stattfinden lassen, den Radsport aus dem olympischen Programm nehmen, Fördergelder streichen, etc.

 

Natürlich wird dies nicht geschehen, nicht einmal im Ansatz. Aber dann soll auch niemand jammern, wenn wieder es einmal einen „Einzelfall“ gibt.

 

Lothar Matthäus - Der Tor des deutschen Fußballs

Veröffentlicht in Fußball by tiefenblick am Juli 25th, 2008

Franz Beckenbauer ist unstrittig die Lichtgestalt des deutschen Fußballs und vermutlich der einzige Deutsche, der außerhalb jeglicher Kritik steht. Weltmeisterschaften als Spieler und Trainer, die WM 2006 nach Deutschland geholt, da verzeiht man es gerne, wenn der „Kaiser“ regelmäßig wirre Aussagen von sich gibt und sich auch mal innerhalb eines Satzes zweimal selbst widerspricht.

Lothar Matthäus wäre auch gerne eine Lichtgestalt. Schließlich ist er auch als Spieler Weltmeister geworden und er ist sogar „Trainer“. Blöd ist nur, dass es ein paar kleine Haken in seiner Vita gibt. Heute ist weitgehend vergessen, dass Matthäus lange Zeit als jemand galt, der in den wichtigen Spielen weder Leistung noch Mut zeigte. Im WM-Finale überließ er lieber seinem Kumpel Andreas Brehme den Elfmeterschuss, um nach dem Spiel wortstark zu erläutern, dass er erst kurz vorher den Schuh gewechselt hatte und deswegen sich nicht sicher gefühlt hätte. Dass man den Angstschweiß durch den Fernseher riechen konnte, ist nur dank des perfekten Elfmeterschusses seines Kollegen nie zum großen Thema geworden. Ein paar Jahre später, im Jahr 1999, als die Bayern jenes denkwürdige Finale gegen Manchester United verloren, war es wieder Lothar Matthäus, den in der entscheidenden Phase der Mut verließ. In der hektischen Schlussphase, gegen einen immer stärker werdenden Gegner, ließ er sich als Libero vorsichtshalber auswechseln, weil er ein kleines Zupfen im Oberschenkel gespürt hatte. Blöd nur, dass sein Ersatzmann Torsten Fink einen entscheidenden Fehler machte und am Ende der schon sicher geglaubte Sieg in der Champions League verloren war. Tragisch auch, dass die Bayern zwei Jahre später ohne Matthäus diesen Titel gewannen. Auch wenn Lothar Matthäus als Spieler zweifellos Weltklasse-Format hatte, so waren es doch solche Situationen, die ihn für den Heldenstatus nie in Frage kommen ließen.

Seine Karriere als Trainer ist bislang eine einzige Enttäuschung. Einem Titel mit Partizan Belgrad in Serbien-Montenegro stehen solche Highlights wie das Engagement bei Borussia Banana im Rahmen einer Fernsehshow für RTL 2 und die einmonatige Tätigkeit beim brasilianischen Verein Clube Atlético gegenüber. Auch sein neuer Job beim israelischen Erstligisten Maccabi Netanya reiht sich wunderbar in seine bisherige Trainervita ein. Was sind aber die Gründe dafür, dass „Loddar“ als Trainer höchstens Mittelmaß ist?

Der Betroffene erklärt zu diesem Thema gerne, dass die großen Klubs keinen Querkopf wie er es nun mal sei, verpflichten wollen. Wenn man aber sieht, dass der FC Bayern den größten Querdenker der jüngeren Fußballgeschichte, Jürgen Klinsmann, als Trainer eingesetzt hat, dann kann diese These nicht ganz stimmen. Man mag sich kaum vorstellen, wie sehr es Matthäus in der Seele getroffen hat, dass gerade sein alter Erzfeind diesen begehrten Posten bekommen hat. Klinsmann bekommt die besten Trainerjobs in Deutschland und Europa angeboten und „Loddar“ muss in Israel eine drittklassige Truppe übernehmen. Schlimmer geht es kaum.

Matthäus hat zwei wesentliche Probleme. Er kann an keiner Kamera vorbeilaufen und gibt gerne den Medienstar. Matthäus schreibt (vermutlich lässt er schreiben?) jede Woche eine Kolumne in der Sportbild, in der er ungefragt Ratschläge gibt und als eine Art Überfußballer die Arbeit der Bundesligavereine unter die Lupe nimmt. Dass er damit vielen auf die Füße tritt, lässt sich nicht vermeiden. Auch andere Ex-Fußballer wie Netzer und Breitner haben solche Kolumnen geschrieben, aber sie wollten auch nie als Trainer arbeiten. Welcher Bundesligaclub will sich schon einen Trainer antun, der keine Erfolge vorzuweisen hat, selten länger als ein Jahr irgendwo bleibt und stets darauf bedacht ist, sein Gesicht in die Fernsehkameras zu halten?

Noch schwerwiegender ist aber etwas anderes. Matthäus verfügt nicht über den nötigen Intellekt, um in der modernen Fußballwelt als Verantwortlicher zu überleben. Der heutige Fußball braucht andere Trainertypen als Matthäus sie verkörpert. Es reicht längst nicht mehr aus, in Fußballersprache grobe Anweisungen zu geben. Durch die taktische Weiterentwicklung im Weltfußball, wie sie vor allem durch Arsène Wenger bei Arsenal London und José Mourinho beim FC Porto und dem FC Chelsea vorangetrieben wurde, benötigt man mittlerweile Trainer, die sehr komplexe Zusammenhänge einfach erläutern können. Dafür sind Leute wie Jürgen Klinsmann, Jürgen Klopp und Armin Veh deutlich besser geeignet. Bei Matthäus würde es vermutlich schon am Begreifen der Zusammenhänge scheitern.

Was ist aber der Ausweg für „Loddar“? Man kann ihm nur raten, sich auf das zu konzentrieren, was er am besten kann. Da er für eine Fortsetzung der aktiven Fußballerkarriere zu alt ist, sollte er seine Lieblingsbeschäftigung zur Haupttätigkeit werden lassen und sich weiter in Fach- und Boulevard-Medien tummeln. Wenn er auf seine drittklassigen Trainerjobs verzichten und anstatt dessen regelmäßig Beziehungen mit aufstrebenden Ludern eingehen würde, wäre ihm geholfen, dem deutschen Fußball und uns, die wir sensationslüstern den Abstieg eines ehemaligen Weltstars beobachten.

 

P.S.: Tatjana Gsell ist im Moment frei und sicher nicht abgeneigt. ;-)

Barack Obamas Rede in Berlin

Veröffentlicht in Politik by tiefenblick am Juli 24th, 2008

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie leicht die Massen zu bewegen sind. Kaum kommt ein charismatischer Führer (oder ein Kandidat) und schon können sich 100.000 Berliner nicht beherrschen und jubeln los, als ob Mana vom Himmel regnen würde. Ob diesen Menschen klar ist, dass Obama auch weiterhin den Terrorismus mit militärischen Mitteln bekämpfen wird? Und das er dazu die Europäer, also auch die Deutschen, mehr in die Pflicht nehmen wird?

Keine Frage, dieser Barack Obama macht Hoffnung, weil er einen intellektuellen Tiefflieger ablösen kann, der von einem erschreckend ungebildeten Volk zweimal gewählt worden ist. Aber wie weit ist es mit den Menschen und den Deutschen eigentlich, dass sie immer noch auf Einzelne hoffen, wenn es um die Verwirklichung ihrer Träume geht? Oder gehört Obamas Auftritt in die neumodische Event-Kultur? Ist doch letztlich egal, ob man für Michael Ballack oder Barack Obama jubelt, oder? Dabei sein ist alles!

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Die Lügentour

Veröffentlicht in Doping, Sportjournalismus, Tour de France by tiefenblick am Juli 24th, 2008

Es ist für mich nach wie vor unfassbar, welch seltsame Argumente angeführt werden, wenn es um Doping geht. So kann doch niemand ernsthaft glauben, dass man ohne Hilfsmittel die Tour nicht überstehen könnte. Vor 100 Jahren gab es kein EPO und keine Wachstumshormone, dafür waren die Etappen aber deutlich länger. Es gehört zu den modernen und gerne wiederholten Mythen, dass man ohne Doping solche Leistungen nicht erbringen könnte. Fakt ist aber doch, dass die Tour nur ein bisschen langsamer wäre, aber immer noch der Großteil der Fahrer in Paris ankommen würde. Mit Doping wird nur das Leistungsprofil der Fahrer nach oben verschoben, aber prinzipiell ändert sich nichts. Es wird nicht gedopt, weil man die Tour nicht überstehen kann ohne unlautere Mittel, sondern weil man sie sonst nicht gewinnen kann.

Zur Verdummung muss ich leider auch einen Artikel von Jörg Schallenberg (www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,567666,00.html) rechnen, der Carlos Sastres Siegerzeit von Alpe D’Huez allen Ernstes als Zeichen für einen Wandel ansieht. Ein Blick in die jüngere Geschichte (de.wikipedia.org/wiki/L’Alpe_d’Huez) zeigt schnell, dass er sich mit seinen 39:29 Minuten bestens in die Riege entlarvter und verdächtiger Fahrer einreiht. Er wäre damit z.B. etwa 2 Minuten langsamer gewesen als die EPO-Rekorde von Armstrong und Pantani. Einen solchen Abstand hätte man aber jederzeit erwartet, da Sastre auch mit EPO zweifellos nicht die Klasse von Armstrong oder Pantani hat. Wäre er 5 Minuten langsamer gewesen, hätte die Aussage von Schallenberg einen Sinn, aber 2 Minuten sind eher belastend.

Überhaupt wundert man sich doch, dass das Team CSC die Tour so dominiert. Wie kann es sein, dass Ricco als Dopingsünder entlarvt wird, aber ein Andy Schleck, der beim Giro Zweiter war und bei der Tour jeden Tag Topleistungen bringt, angeblich nur mit Wasser fährt? Und wie kommt es, dass Gerolsteiner mit Kohl plötzlich einen Topfahrer hat? Wieso ist Stefan Schumacher fast jeden Tag in einer Ausreißergruppe? Das hat nicht zufällig etwas damit zu tun, dass das Team händeringend nach einem Sponsor sucht und bereit ist, dafür alles zu riskieren?

Man muss leider heutzutage davon ausgehen, dass in allen Sportarten, in denen viel Geld verdient werden kann, Doping eine wichtige Rolle spielt. Solange sich auf politischer Ebene nichts ändert, wird dies auch so bleiben. Erst wenn man Doping als das brandmarkt was es ist, nämlich Betrug aus finanziellen Gründen und harte Strafen in Aussicht stellt, kann sich überhaupt etwas ändern. Solange aber 100-Meter-Läufer immer schneller werden, Schwimmrekorde bei jedem Großereignis purzeln und Ermittlungen sabotiert werden (siehe Fuentes), wird sich rein gar nichts ändern.

Image als Sinn

Veröffentlicht in Sonstiges by tiefenblick am Juli 22nd, 2008

Was mich mehr schockiert als alles andere, wenigstens in diesen Tagen, ist die Tatsache, dass mich nichts mehr schockiert. Kein Selbstmordattentat in Afghanistan, keines im Irak, kein Bahnstreik, keine Kunstmesse, ja nicht mal mehr das Verhalten meiner Eltern. Es ist alles untergegangen im täglichen Einheitsbrei aus Nachrichten, Informationen und Mitteilungen. Dabei kann ich kaum noch unterscheiden zwischen dem, was über Agenturmeldungen an mich herangetragen wird und dem, was aus dem privaten Umfeld auf mich einstürzt. Die innere Belanglosigkeit fühlt sich verdächtig gleich an. Woran liegt es, dass ein Hühnerauge meiner Oma und George Bushs Warnung vor einem dritten Weltkrieg die gleiche Wirkung auf mich haben? Liegt es daran, dass ich ihnen gleich viel, nämlich keine Bedeutung zumesse? Oder liegt es daran, dass mit mir etwas nicht stimmt? Sollte mich nicht wenigstens das Hühnerauge meiner Oma einen kurzen Moment bewegen?

Ich fürchte, es geht vielen Menschen so wie mir. Den meisten ist es völlig egal, was mit ihnen gemacht wird. Das ist unabhängig von Bildung und Intelligenz. Auf der documenta war wieder einmal zu beobachten, wie leicht es ist, eine träge Masse zum Verharren zu bringen. Intellektuelle Tiefflieger kreisten um Objekte, deren Beliebigkeit ihr größter Reiz war und deren Gehalt allenfalls in inhaltsleeren Betrachtern zu finden ist.

Es stört niemanden mehr, dass die Ratlosigkeit um sich gegriffen hat, wie eine Epidemie, die früher oder später jeden ergreift und deren tückischstes Symptom, das „so ist sie eben, unsere Zeit“, als Erkenntnis gefeiert wird. Es gibt keine großen Ideen mehr, die über den kleinen Kosmos des Einzelnen hinausreichen und wenn, wie z.B. bei den Globalisierungskritikern von Attac, dann sind sie aus derselben Ratlosigkeit geboren und mit derselben Sinnlosigkeit vorgetragen, die sie zu kritisieren scheinen.

Die Welt in der wir leben, existiert nur in unseren Köpfen. Im richtigen Leben gibt es keinen Staat, keine Demokratie und keine Menschenrechte. Es gibt nur den kleinen Mikrokosmos, dessen Regeln uns klar sind, die aber ohne tieferen Grund existieren. Wir leben in einer Blackbox und solange unsere kleine Welt uns angenehm ist, bleiben wir zufrieden in ihr. Da es aber unbehaglich sein könnte, in einer solchen Blackbox, wurden glücklicherweise die Massenmedien erfunden, die als Vehikel von übergreifenden Ideen, Sinn und Gemeinschaft nutzbar gemacht wurden. In ihnen finden wir das Leben außerhalb der Blackbox, in ihnen ist das Image der Welt. Image plus Blackbox ergibt Lebensraum. Und solange beide Aspekte funktionieren, kann es uns nicht schlecht gehen. Deswegen sind die Massenmedien konstitutiv für unser Leben. Ohne sie wüssten wir nicht, welche Rolle wir überhaupt spielen. Sie sind Bedeutungsträger, Orientierungsschnur und Halt. Es wird Zeit ihnen Dank auszusprechen für das, was sie uns geben. Danke euch allen: ARD, ZDF (ohne Kerner), RTL, PRO7, BILD, Spiegel, Stern, Bunte und wie ihr alle heißt. Ihr macht mein Leben erst lebenswert!

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Doping, Fußball und die Journalisten

Veröffentlicht in Doping, Fußball, Sportjournalismus by tiefenblick am Juli 22nd, 2008

Erschreckend und geradezu empörend ist der Zustand der Sportberichterstattung in unserem Lande. Als Journalisten verkleidete Lobbyisten verkaufen uns eine Ware, die in den seltensten Fällen geeignet ist, mehr als ein Zeitvertreib zu sein. Vielleicht kann Sport auch nicht mehr sein, aber wenigstens die Frage muss gestattet sein, warum er dann Millionen von Menschen fesselt, die nichts besseres mit ihrer Zeit anzufangen wissen, als in Stadien zu gehen, oder sich in stickige Hallen zu quetschen oder, noch beliebter, vor dem Fernseher zu hocken.

Sport boomt nach wie vor, als Mitmachkultur ebenso wie als Beobachtungskult. Kein Dopinggeständnis, keine noch so offensichtliche Publikumsmissachtung kann die Massen vom Sport wegtreiben. Mal wenden sie sich der einen oder anderen Sportart mehr zu, aber die Gesamtmasse bleibt gleich. Wenn jedoch, wie geschehen, der Radsport offenbart, dass weder Sponsoren noch Fahrer, noch Teamverantwortliche, noch Reporter integer sind, dann beginnen sogar die Radsportfans nachzudenken. Sie denken tatsächlich nach, wenigstens in Deutschland.

In den südlichen Ländern wäre selbst das zu viel verlangt. Seit klar ist, dass auch die großen Fußballvereine wie Juventus Turin (nachgewiesen) oder Barcelona und Real Madrid (stark verdächtigt) in den Ruch des Dopings gekommen sind, hat der Zuschauer wie auch der Journalist an sich beschlossen, lieber auf die nächste Katastrophen-Enthüllung zu warten und sie nicht zu verursachen. Sonst behauptet noch irgendwer, er wäre Schuld am Untergang des Fußballs. Nur damit dann auch wieder jeder sagen kann: „Wir haben ja nichts davon gewusst!“ und „Im Fussball bringt Doping sowieso nichts.“ Warum dann ein so erfolgsorientierter Club wie Juventus sich mit Dopingmitteln abgegeben hat, kann also vermutlich nur mit der noch erfolgsorientierteren  Pharmaindustrie zusammenhängen, die mittellose Fußballer für ihre Zwecke ausbeutet. Und vermutlich sind die Sportjournalisten auch nur deshalb so zurückhaltend geblieben, weil sie sich nicht vorstellen konnten, dass die über jeden Zweifel erhabenen Persönlichkeiten des Fußballs auch nur im Ansatz mit unsauberen Praktiken zu tun hätten. Obwohl, man sagt ja, dass der Fisch vom Kopf her stinkt. Gruezi, Sepp Blatter!

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Ein ganz persönlicher Dank!

Veröffentlicht in Medien by tiefenblick am Juli 22nd, 2008

Lieber Johannes, liebe Maybrit, liebes Bisschen!

 

An schlechten Tagen beschleicht mich das Gefühl, weder einzigartig noch besonders zu sein. Dann mache ich meist das Fernsehen an, breite mich auf meiner Couch aus und nach kurzer Zeit geht es mir wieder besser. Offensichtlich nicht, weil sich die Umstände meines Lebens im Minutentakt ändern, sehr wohl aber die Perspektive, unter welcher ich mich selbst betrachte. Ich zappe von Kerner zu Beckmann, zu Maischberger, zu Maybrit Illner und wenn ich in großer Form bin, dann lande ich auch noch bei Anne Will. Lauter Frauen, und ja, es ist mir nicht entgangen, dass sie nicht alle am selben Tag laufen, mit Ausnahme von Kerner. Der läuft immer. Und deshalb ist das ZDF zu meinem persönlichen Sender non grata geworden. Außer es passiert außergewöhnliches und wird vorher angekündigt, wie die öffentliche Hinrichtung von Eva Hermann. Hinrichtungen, wenn auch nur symbolische, sind immer interessant. Das Moment der Demütigung kommt zwar oft im Fernsehen, selten aber so unverhohlen vor. Oder es läuft ein Länderspiel. So wichtig ist selbst das ZDF nicht und schon gar nicht Johannes B., dass er mir die Freude nehmen könnte, die einst von Klinsmann genmanipulierte DFB-Truppe anzuschauen. Wenn ich dann eine halbe Stunde Fernsehen geguckt habe, mich am Elend der Moderatoren und ihrer Gäste erfreut habe, was reichlich oft schwer zu unterscheiden ist, dann geht es mir besser. Ich lebe mit dem Gedanken, in einer schlechten Welt ein gar nicht so übler Zeitgenosse zu sein. Und den Beweis liefert alleine das Fernsehen. Die richtige Welt, was immer das auch sein mag, lässt mich dahin gehend völlig im Stich. Meine Mutter findet mich toll, mein Vater auch, und meine Oma behauptet ähnliches. Aber wer sind diese Menschen, dass ich ihnen glauben sollte? Vor Gericht würden sie als befangen abgelehnt. Leumundszeugen sind nichts wert, da sie ohnehin nur Gutes sagen. Wie soll man aber Menschen glauben, die nur das Gute in mir sehen? Ich glaube, dass die meisten Moderatoren von Talk-Shows genau diesen Fehler gemacht haben. In ihrem Leben muss es Menschen geben, vermutlich von Geburt an, die ihnen immer wieder gesagt haben, wie großartig sie sind. Das sei ihnen allen gegönnt, doch was sie von denen unterscheidet, die Besonders sind, ist, dass sie es bedingungslos geglaubt haben und immer noch glauben. Auch wenn es nichts hilft: Lieber Reinhold, lieber Johannes B., liebe Sandra, liebe Maybrit und  liebe Anne, ihr seid nicht toll, ihr seid auch nicht einzigartig, ihr seid an guten Tagen mittelmäßig, an schlechten Tagen nicht mal das. Wenn ihr euch ein bisschen in eurer Eitelkeit gekränkt fühlen würdet, wenn ihr diesen Text lest, dann wäre mir das schon genug und würde meiner Eitelkeit schmeicheln. Aber zum Glück kann ich wohl davon ausgehen, dass ihr euch das nicht allzu sehr zu Herzen nehmt, denn wenn ihr euer Elend einsehen würdet, dann müsstet ihr euren Beruf an den Nagel hängen und wer hilft mir dann, wenn ich wieder mal schlecht drauf bin? In diesem Sinne: Frohes Schaffen!

 

 

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